Blaulicht und Martinshorn, wie verhalte ich mich?

Bundesweit gibt es jährlich allein im Rettungsdienst über 10 Millionen Einsatzfahrten. Hinzu kommen die Einsätze von Feuerwehr und Polizei.
Nicht selten ergeben sich bei diesen Einsatzfahrten Gefahrensituationen mit anderen Verkehrsteilnehmern.
Neben Personen- und Sachschäden ist eine Folge dieser Unfälle, dass Hilfe, die durch die Einsatzkräfte an anderer Stelle geleistet werden sollte, zu spät kommt.

Gesetzliche Grundlage:

Die Sonder- und Wegerechte für Feuerwehr und Polizei in Deutschland sind gesetzlich geregelt. Als Sonderrechte wird in Deutschland die “Befreiung von den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung” bezeichnet. Dieses Recht ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden und wird in § 35 der Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt. Mit den bestimmten ‚Voraussetzungen’ sind im Allgemeinen hoheitliche Aufgaben gemeint. Dies sind im Einzelnen:

  • das Retten von Leben
  • die Abwendung von Krankheiten, die eine Beeinträchtigung des Lebens zur Folge hätten
  • und das Schützen von Sachwerten

Es muss eine Abwägung zwischen Erforderlichkeit der Übertretung und der möglichen Gefahr dadurch erfolgen. Konkret kann das Sonderrecht wie folgt aussehen:

  • Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit
  • Überfahren einer Kreuzung bei Rotlicht
  • Befahren der Gegenfahrbahn
  • Befahren einer Einbahnstraße entgegen der Fahrtrichtung
  • Halten im Halteverbot
  • Parken im Parkverbot

Sonderrechte sind nicht an ein Fahrzeug wie ein Feuerwehrauto oder ein Polizeiauto gebunden, sondern betreffen die Personen, die in diesem Moment die beschriebenen hoheitlichen Aufgaben erfüllen. Das bedeutet im Klartext, dass Feuerwehrleute auch mit ihrem privaten PKW auf dem Weg zum Feuerwehrhaus Sonderrechte in Anspruch nehmen dürfen. dachaufsetzer_feuerwehr_ungetsheimSie dürfen also z.B. unter gebührender Rücksicht und Vorsicht die zulässige Höchstgeschwindigkeit übertreten, wenn Sie zum Einsatz fahren.Viele Feuerwehrleute haben auf dem Weg zum Feuerwehrhaus einen  Dachaufsetzer auf ihrem Dach angebracht, um zu zeigen, dass sie gerade auf dem Weg zum Einsatz sind.
Die Sonderrechte, wie sie in § 35 der StVO aufgeführt sind, verpflichtet Sie als normaler Verkehrsteilnehmer nicht dazu, den Feuerwehrleuten im privat-PKW freie Bahn zu schaffen. Diese Pflicht haben Sie erst, wenn Blaulicht in Kombination mit eingeschaltetem Martinshorn auftritt. Blaulicht allein dient somit also nur zur Absicherung der Einsatzkräfte an der Einsatzstelle. Auf Rücksicht der Bürger besonders in der Nachtzeit werden dennoch meist Einsatzfahrten ohne Martinshorn also NUR mit Blaulicht absolviert. Diese Entscheidung liegt aber beim Straffel-, Gruppen- bzw. Zugführer denn mit so einer Entscheidung kann er auch seine Einsatzkräfte in unmittelbare Gefahr bringen wenn Verkehrsteilnehmer nicht auf das Blaulicht reagieren und sich Verkehrsteilnehmer trotzdem die Vorfahrt an Kreuzungen oder Einmündungen erkämpfen möchten. Bitte nehmen Sie auch auf Einsatzfahrzeuge Rücksicht die nur mit Blaulicht unterwegs sind! Diese Einsatzkräfte würden auch auf Ihren Schlaf Rücksicht nehmen.

Das richtige Verhalten bei Blaulicht und Martinshorn:

  • Bewahren Sie Ruhe
  • Stellen Sie fest, woher das Einsatzfahrzeug kommt
  • Stellen Sie fest, wohin das Einsatzfahrzeug wahrscheinlich fahren will
  • Weichen Sie unverzüglich wie auf der Grafik unten abgebildet aus
  • Sollte dies nicht gefahrlos möglich sein, dann warten Sie auf die nächste Möglichkeit! Bremsen Sie nicht extra! Fahren Sie in normalem Tempo weiter bis sich eine Möglichkeit zum Ausweichen ergibt. Das Einsatzfahrzeug wird wenn möglich selbst überholen
  • Zeigen Sie mit dem Blinker an in welche Richtung Sie ausweichen wollen
  • Achten Sie darauf, ob das Einsatzfahrzeug passieren kann (Gegenverkehr beachten)
  • Stellen Sie fest, ob weitere Einsatzfahrzeuge folgen?

 

Verhalen_bei_Blaulicht_Feuerwehr_Ungetsheim

Um Verkehrsteilnehmern zu zeigen, wie sie sich bei Blaulicht und Martinshorn verhalten müssen, hat der ADAC gemeinsam mit der Polizeidirektion Hannover, der Feuerwehr Hannover und der Landesverkehrswacht Niedersachsen eine Broschüre mit dem Titel „Blaulicht und Martinshorn – was tun?“ herausgegeben.