Reanimation in Zeiten von Covid-19

Reanimation in Zeiten von Covid-19

In Zeiten der allgegenwärtigen Ansteckungsgefahr mit Corona sind wir besonders vorsichtig, wenn es darum geht, anderen Menschen nahe zu kommen. Doch was ist zu tun, wenn jemand einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet und er oder sie reanimiert werden muss? 

Vorab kann gesagt werden, dass sich bei Personen, die in einem Haushalt leben, auch in diesen Zeiten nichts ändert. In der Regel sind Angehörige eines Haushalts entweder alle gesund oder alle infiziert. Bei der Reanimation ändert sich hier also nichts. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf das Auffinden einer bewusstlosen Person außerhalb des eigenen Haushalts. Die Empfehlungen folgen den aktuellen Leitlinien des Deutschen Rats für Wiederbelebung in der Laienreanimation.

Grafik Reanimation bei Covid 19 Verdacht
Grafische Darstellung des Deutschen Rats für Wiederbelebung - Reanimation in Zeiten von Covid19

Der Ablauf beim auffinden einer bewusstlosen Person ist in Zeiten der Corona-Pandemie folgender:

  • Der Ersthelfer findet eine reglose Person
  • Der Ersthelfer spricht die Person laut an (Gleichzeitig können -wenn vorhanden- Einmalhandschuhe angezogen werden)
  • Der Ersthelfer beobachtet ob der Patient eine normale Atmung hat
  • Hat die Person weder Bewusstsein noch Atmung, muss spätestens jetzt der Notruf gewählt und um Hilfe gerufen werden. Falls sich ein Defibrillator (AED) in der Nähe befindet, soll dieser von einem anderen Helfer geholt werden.
  • Der Ersthelfer soll Mund und Nase mit einem Tuch oder Kleidungsstück abdecken (alternativ mit einer Taschenmaske - siehe weiter unten im Beitrag)
  • Der Ersthelfer beginnt mit der Herzdruckmassage in der Mitte des Brustkorbs und mit einer Frequenz von 100 Mal in der Minute
  • Ist ein Defibrillator vorhanden, so wird dieser eingeschalten und den Anweisungen gefolgt
  • Beim Umgang mit dem Defibrillator darf niemals die Herz-Druck-Massage vernachlässigt werden. Wann immer möglich soll die Kompression des Brustkorbs erfolgen. Nur zur Analyse und Schock durch den AED darf sie unterbrochen werden.
  • Der Ersthelfer setzt die Herz-Druckmassage bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder bei Übernahme durch einen anderen Ersthelfer fort.
Die Beatmung im Rahmen einer Reanimation „auf der Straße“ wird derzeit vom Deutschen Rat für Wiederbelebung also nicht als zwingend angesehen. Der Fokus liegt auf der Herzdruckmassage und dem eventuellen Einsatz eines Defibrillators. Auch die Feuerwehr Breitenau – Ungetsheim verfügt über einen Defibrillator im MTW.  Dieser darf und soll auch für Reanimationen in den Ortsteilen verwendet werden. Für weitere Informationen dazu stehen wir gerne zur Verfügung. 

Kinder brauchen Beatmung

Eine Sonderrolle nehmen Kinder in den Leitlinien ein. Bei Kindern ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Herzstillstand durch ein fehlen an Sauerstoff eingetreten ist viel höher als bei Erwachsenen. Deshalb sind Kinder viel mehr auf eine Atemspende angewiesen. Das GRC sagt dazu folgendes:

Obwohl die Atemspende ein Infektionsrisiko für den Ersthelfer darstellt, ist der Nutzen der Atemspende bei nicht atmenden Kindern für ihre Überlebenschance als deutlich höher einzustufen

Deutscher Rat für Wiederbelebung (GRC)

Es wird hier also ausdrücklich empfohlen Kinder zu beatmen, da sie ganz besonders auf die Atemspende angewiesen sind. Kinder (Alter < Pubertät) werden also immer im Schema 15 Herzdruckmassagen zu 2 Beatmungen reanimiert. 

Unsere Empfehlung

Eine Empfehlung unsererseits ist die Verwendung einer Beatmungsmaske im handlichen Taschenformat. Im Set befinden sich meist Einmalhandschuhe (1), die Maske selbst (3) und manchmal noch ein weiterer Beatmungsfilter (2). Die Handschuhe schützen den Ersthelfer bei Körperkontakt mit dem Patienten, wie zum Beispiel bei der Herz-Druck-Massage. Die Maske wird über Mund und Nase aufgesetzt und mit dem Gummiband am Hinterkopf fixiert. Mit ihr kann eine Atemspende ohne Körperkontakt mit dem Patienten durchgeführt werden. Auch ohne aktive Atemspende verringern die Maske und der Filter den Ausstoß von Luft beim Druck auf den Brustkorb. Somit wird die Infektionsgefahr für den Ersthelfer durch frei werdende Aerosole verringert. 

Taschenmasken gibt es in fast jeder Apotheke, Sanitätshaus oder im Onlinehandel zu kaufen. Auch schon vor der aktuellen Pandemie war diese Maske eine gute Ergänzung zu jedem Erste-Hilfe-Kasten. Wir wollen an dieser Stelle explizit keine Marke oder Hersteller empfehlen, denn letztendlich funktionieren alle Masken nach dem gleichen Prinzip. 

Wir hoffen, dass wir mit diesen Tipps die Angst vor einer Reanimation etwas mildern konnten. Abschließend bleibt uns nur zu sagen, dass man absolut immer etwas tun kann. Einen Notruf abzusetzen und eine Herzdruckmassage durchzuführen ist auch ohne Beatmung möglich.